13 Südafrika zum Dritten

Reisebericht 34 / Mata-Mata - Goba (Swaziland) / 13.01.2018 - 10. 04. 2018

Kilometerstand von der Schweiz über China, Indien und Afrika: 106'400 km (Total 235'000 km incl. Panamericana)

Reiseroute:
Mata-Mata (Grenze zum Kgalagadi National Park), Upington, Calvinia, Cederberge, Ceres, Tulbagh, Paarl, Stellenbosch, Cape Town, Hermanus, Struisbaay, De Hoop N.P., Bontebok N.P., Route 62, Barrydale, Calitzdorp, Oudtshoorn, Willowmore, Baviaanskloof Mountains, Addo Elephant N.P., Tsitsikamma N.P., Knysna, Brenton on Sea, Prince Albert, Beaufort West, Colesberg, Bloemfontein, Blyde River Canyon, Phalaborwa, Krüger N.P. (6 Tage), Nelspruit, Ermelo, Durban, Drakensberge, Durban, Hluhluwe / Imfolozi N.P. Wetland Park, Swaziland


Löwen-Attacke auf Giraffe

Frühmorgens begeben wir uns zum Zoll, um aus Namibia auszureisen. Das Ziel sind die orangefarbenen Sanddünen in einer scheinbar unendlich weiten Trockensavanne, in der es nur ein paar Kameldornbäume und Dornakazien gibt.
Doch dies ist nur zweitrangig. Jeder Besucher möchte natürlich die hier beheimateten Wildkatzen sehen.

Wir befinden uns im grenzüberschreitenden, 38'000 Quadrat km grossen Kgalgadi Transfrontier National Park.
Der wenige Regen fällt Anfang des Jahres zwischen Januar und April und die beiden im Park befindlichen Flüsse Nossob und Auob führen daher nur periodisch ein wenig Wasser.
Als erstes besorgen wir uns am Eingang des Parks eine "wild card". Mit diesem Dokument können wir innerhalb eines Jahres alle National Parks Südafrikas kostenlos besuchen. Das hat natürlich seinen Preis. In der Zwischenzeit kostet dieses Schreiben 3800 südafrikanische Rand, was umgerechnet etwa 300 US$ für zwei Personen entspricht. Da die Eintrittsgebühren für die grossen Parks recht happig sind, lohnt sich die Wild Card schon ab etwa 8 Tagen.

Bekannt ist der Park für seine guten Sichtungen von Raubtieren und Greifvögeln. Kein Zaun hindert Löwen, Leoparden und Schakale am überqueren der Ländergrenzen. Da es sich um eine Halbwüste handelt kommen jedoch nur Tiere vor die gut mit wenig Wasser umgehen können und es fehlen große Tiere wie z.b. Elefanten, Nashörner, Büffel oder Flusspferde. Die einmalige Landschaft des Parks und die spektakulären Sichtungen von Beutegreifern entschädigt allerdings dafür.

Davon können wir uns am ersten Tag gleich selbst überzeugen. Nachdem wir den Reifendruck von 4 auf 1,8 Bar reduziert haben, fahren wir entlang einer weichen Sandpiste zu einem ersten Wasserloch nicht weit entfernt vom Mata-Mata Camp. Hier liegen gleich 10 Löwen unter einem weit-ausladenden Kameldornbaum und machen Siesta. In der Nähe befinden sich ein paar Oryx Antilopen, Gnus und Giraffen, die wahrscheinlich alle schrecklichen Durst haben, aber sich nicht getrauen näher zu kommen.
Zwischendurch hebt eine Löwendame gelangweilt den Kopf, gähnt mit weit aufgerissenen Fangzähnen nur um kurz darauf erneut einzudösen. Nach zwei Stunden den Löwen beim schlafen zu zusehen, werden wir ebenfalls müde und fahren ins Camp zurück.
Hier sind gerade ein paar flauschige Tierchen mit spitzen Gesichter aufgewacht, die übermütig über den roten Sand auf uns zu rennen. Kurz vor uns bleiben sie stehen, richten sich auf den Hinterbeinen auf und strecken ihren Bauch der Sonne entgegen.
Es handelt sich um Erdmännchen, oder wie die Südafrikaner sagen "Kalahari Meerkat".

Am späteren Nachmittag brechen wir erneut zu einem "Game-drive" auf. Als erstes fahren wir zum gleichen Wasserloch, wo wir schon am Morgen waren. Und tatsächlich, die 10 Löwen liegen immer noch unter dem gleichen Kameldornbaum. Doch langsam kommt Bewegung in die faule Truppe. Die Damen stehen gähnend auf, strecken ihre Glieder und schauen scheinbar gelangweilt zum Giraffen Hengst hinüber, der immer noch in der Nähe des Wasserloches steht.
Plötzlich geht ein Ruck durch das Rudel und fünf Löwenweibchen starten einen Angriff auf die Giraffe. Diese sprintet davon und die Löwen versuchen sich das Hinterbein zu schnappen.
Die sonst so gemächliche Giraffe bringt ein erstaunliches Tempo an den Tag und die Löwen haben von den schlagenden Hinterbeinen einen deutlichen Respekt. Auf jeden Fall brechen die Löwen die Verfolgung ab und die Giraffe hat noch mal überlebt. (Siehe Video [200'154 KB] )
Es war ein einmaliges Erlebnis, bei einem Löwenangriff unmittelbar dabei zu sein.

Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont, sind wir am darauffolgenden Tag erneut auf der Pirsch. Auf dem Weg Richtung Süden erspähen wir immer wieder Gemsböcke und Kudus die einträchtig zusammen stehen. Sie scharren gemächlich an den wenigen Stellen, die noch etwas Wasser versprechen. Von Hinten wagt sich eine Horde Springböcke auf das freie Gelände. Sie blicken nervös um sich, immer auf der Lauer vor dem König der Savanne. Für die Löwen sind diese Salzpfannen ein einfaches Beuterevier. Es gilt nur geduldig zu warten, denn in der Morgendämmerung verlassen Oryx, Gemsbock, Antilope, Ducker oder Wasserböcke ihren geschützten Schlafplatz um hier ihren ersten Durst des Tages zu löschen.

Wenig später erspähen wir unter einer Akazie ein Bewegung. Mit dem Fernglas erkennen wir die graziösen Umrisse eines Geparden. Wir stellen den Motor ab und warten ob sich da was ergibt. Nach kurzer Zeit erhebt sich das schlanke Tier und kommt langsam auf uns zu. Erst jetzt erkennen wir das Jungtier, das sich knapp hinter der muskulösen Mutter hält.
Der schlanke, langgestreckte Körper ist für einen Sprinter ideal. Geparde sind die schnellsten Läufer der Welt. Bei ihren Jagden erreichen sie Spitzengeschwindigkeiten von fast 120 km/h. Das ist in der Tierwelt einsame Spitze und solange sie jung sind, wie dieses Baby im Windschatten der Mutter, leben sie eng im Familienverbund zusammen.

Vier Tage später verlassen wir diesen überaus interessanten Park, der für uns zu den lohnendsten Wildreservaten in Südafrika zählt.

Affenplage

Ca. 120 km westlich von Upington stürzen sich die Wassermassen des Orange River, oder das was davon übrig ist, 60 Meter in die Tiefe. Um die gigantischen Wasserfälle, jedenfalls nach der Regenzeit, und die 18 km lange Schlucht des Orange River mit ihren ausgewaschenen Felsplateaus und zerklüfteten Gesteinsformationen wurde ein Nationalpark errichtet. Bei unserer Wanderung sind Klippschliefer entlang des Weges zum Wasserfall leicht zu beobachten, Klippspringer springen von Fels zu Fels und Köcherbäume zeichnen ihre faszinierenden Silhouetten gegen den afrikanischen Himmel. Der Camping wäre eigentlich schön angelegt, wenn nur die Hitze nicht wäre. 42 Grad im Schatten und dabei noch beklaut zu werden, das ist wirklich nicht lustig!
Ihr fragt euch jetzt sicher, wer ist der Dieb? Es sind Affen, genauer, südliche Grünmeerkatzen. Kaum sind wir ein paar Meter vom Suri entfernt, schleichen sich sofort fünf Affen in den Wagen und klauen, was es zu fressen gibt.
Keine Minute nachdem ich das Fahrzeug verlassen habe, sitzen sie schon wieder schmatzend in den Baumwipfeln. Alles rufen und toben nützt nichts. Das einzige was wir zurück bekommen sind die Papierfetzen der ausgepackten Dar-Vida Crackers und ein paar Krümel der Schokolade Waffel.
Am Nachmittag sitzen wir vor dem Suri im Schatten, trinken gemütlich den Nachmittags Café und da schleicht sich doch tatsächlich von hinten erneut ein Affe heran und klaut mir die Aprikose, die direkt vor mir auf dem Stuhl liegt. So was von Unverfrorenheit, das gibt's doch nicht!

Die Hitze ist allgegenwärtig und drückt auf die Moral. Für Abhilfe sorgt nur eins, ab in die Berge oder an die Küste. Wir entschliessen uns für die Cederberge und fahren über Calvinia und den Pakhuis Pass nach Clanwilliam. Immer mehr weicht die wüstenähnliche Landschaft einer herrlichen, rotbraunen, zerklüfteten Landschaft. Gut erhaltene Felszeichnungen der San, prächtige Sandsteinformationen und glasklare Bäche begleiten uns die nächsten Tage. Auch die Temperatur ist bedeutend angenehmer geworden, was uns zu kleinen Wanderungen animiert. Der Algeria Forest Camping gefällt uns so gut, dass wir hier gleich 5 Tage verweilen. Es gibt gut ausgeschilderte Wanderwege und nach dem schweisstriefenden Aufstieg kann man sich im aufgestauten Rondegat Rivers, inmitten der gewaltigen Bergwelt wieder bestens erholen.

Südafrikas Weingüter

Eigentlich möchten wir in Wolseley erneut unsere Schweizer Freunde Bati und Peter, die hier eine Trauben Farm haben einen Besuch abstatten, doch sie haben sich vor der Traubenernte ein paar Tage frei genommen und sind nicht zu Hause. So fahren wir zum nächstgelegenen Zeltplatz. Dieser heisst "Fraaigelegen" und wird vom Deutschen Jürgen und seiner südafrikanischen Frau Venishree geleitet. Am nächsten Morgen laden sie uns zum Café ein und Jürgen erzählt uns seine Geschichte. "In Deutschland hatten wir auch einen Camper und so eine Reise wie ihr ist immer unser Traum gewesen. Doch meine 85-jährige Schwiegermutter die in Durban lebt ist in der Zwischenzeit pflegebedürftig geworden. Wir haben uns überlegt, sie nach Deutschland zu nehmen. Da sie aber immer in Südafrika gelebt hat, entschieden wir uns vor 4 Jahren, hierher zu ziehen. Später hat sich die Gelegenheit ergeben, hier in Wolseley eine Oliven- und Traubenfarm mit 3 Bungalows und Zeltplatz zu kaufen. Der Preis stimmte und nun machen wir etwas koplett anderes als im früheren Leben. Damals war ich Finanzberater und meine Frau Juristin."
Lange plauderten wir intensiv miteinander und irgendwie scheinen wir den Zweien sympathisch zu sein, denn Vanishree meint:"Wenn ihr wollt könnt ihr umsonst unser schönes Gästebungalow oben am Hügel für ein paar Tage beziehen. Was meint ihr?"
Wir schauen uns an uns sind vorerst sprachlos von so viel Gastfreundschaft. "Natürlich, gerne, vielen, vielen Dank."
Drei Tage bleiben wir im Bungalow oberhalb der Weinberge mit einer traumhaften Aussicht auf die verschiedenen Weingüter, die alle am Hang angesiedelt sind.
Am Wochenende sind die Bungalows ausgebucht und wir verabschieden uns von den lieben Weinbauern. "Vielen herzlichen Dank Vanishree und Jürgen. Sollten euch eure Wege einmal in die Schweiz verschlagen, seit ihr natürlich unsere Gäste."

Heute steht ein weiterer Besuch eines Weingutes auf dem Programm. Als ich mit Jill telefoniere meint sie: "Seit herzlich willkommen. Ihr kennt ja den Weg. Einfach am Restaurant vorbei und dann könnt ihr irgendwo zwischen den Weinbergen stehen."
Eifrige Leser unserer Reiseberichte kennen wahrscheinlich die Story, doch sie ist so gut, dass ich sie hier nochmals in Kurzform wiedergebe.

Vor 3 Jahren, im April 2015, kamen wir infolge des verheerenden Erdbebens in Nepal ein paar Tage früher auf dem Campingplatz zurück. Erich, der Campingplatz Besitzer sagte damals zu Jill und Mike: "Ihr könnt ruhig euer Zelt im Windschatten des Fahrzeugs der beiden Schweizer aufstellen. Die sind 10 Tage auf einer Trekkingtour zum Base Camp und kommen vorläufig nicht zurück."
Doch wir kamen zurück und dies 5 Tage früher als geplant. Da staunten wir nicht schlecht, als auf einem ziemlich leeren Zeltplatz direkt vor unserer Tür ein kleines Zelt stand. Weil das Zelt so nahe stand, konnten wir kaum in den Suri gelangen. Dass wir über diese Situation nicht ganz erfreut waren, ist wahrscheinlich jedem klar der uns kennt. Nun fing es an zu nieseln. Das ältere Paar im Zelt kroch raus und versuchte auf dem kleinen Gaskocher einen Kaffee aufzubrühen, was natürlich infolge der Wetterverhältnisse nicht so einfach war. So sagten wir zu den Zweien: "Kommt doch in unsere warme Stube, hier ist es viel gemütlicher."
Das war unsere erste Begegnung mit Jill und Mike Back von der Backsberg Vinery. Zu dieser Zeit in Nepal sagten sie zu uns: "Solltet ihr jemals in Stellenbosch sein, dann müsst ihr uns besuchen."
Da sie so einfach in einem Landrover und ihrem kleinen Zelt unterwegs waren dachten wir damals, die hätten ein paar Trauben irgendwo in Südafrika und nun stehen wir erneut vor ihrem riesigen Landsitz mit Restaurant, Degustationskeller und Event-Hallen. Es ist eines der grössten, bekanntesten Weingüter Afrikas und die zwei Besitzer lieben es für ein paar Monate im Jahr extrem einfach mit Landy und Zweimann-Zelt in der Welt umherzureisen, obschon sie sich allen Luxus leisten könnten.

So lernten wir damals Jill und Mike kennen und nun sitzen wir erneut bei Café und Kuchen in ihrem Garten und plaudern über längst vergangene Zeiten, über Zukunftsträume und über die traurige Realität des südafrikanischen Wasser Missmanagements. Mike meint: "Wir haben die grösste Dürre seit 80 Jahren. Wenn in den nächsten 2 Monaten kein Regen fällt, gibt es drastische Wasserregulierungen. Die Wasserleitungen rund um Kapstadt werden ab April gekappt, da einfach kein Wasser mehr in den Staudämmen ist. Jeder Bewohner der 10 Millionen Stadt muss dann mit einem Kübel an eine öffentliche Wasserausgabestelle und bekommt die Tagesration von 20 Liter. Wie das die Bewohner von Cape Town aufnehmen, ob es dann zu Zwischenfällen kommt, darüber kann nur Spekuliert werden. Meine Dämme sind noch gut gefüllt, doch ich habe Freunde, die können ihre Apfelplantagen nicht mehr bewässern. Tonnen von Äpfeln verdorren nun an ihren Bäumen und die sind bei weitem nicht die einzigen. Es ist eine finanzielle Katastrophe und ich habe bedenken, was die Regierung in dieser Notsituation alles beschliesst. Werden die die privaten Wasserquellen der Weinbauern einfach konfiszieren? Niemand weiss das und es herrscht zur Zeit eine grosse Angst und Unsicherheit".
Auch wir hoffen natürlich auf Regen, auf baldigen und ergiebigen Regen, so dass dieses Szenario nicht eintrifft.
Erneut war es sehr interessant bei den "Backs" auf Besuch zu sein und wir hoffen, dass sie uns einmal in der Schweiz besuchen kommen.

Wir fahren noch ein wenig durch die Weingegend. Wie ein Ring umgeben berühmte Weingüter wie "Blaauklippen, "Meerlust" oder "Simonsig" die grossartige Landschaft. Es sind magische Anziehungspunkte für Touristen sowie für Kenner, die andächtig durch die riesigen Weinkeller wandern. Ein weiteres Kennzeichen der meisten Güter sind die liebevoll gepflegten, fast alle noch aus dem 17. Jahrhundert stammenden kapholländischen Gutshäuser, malerische Architekturträume aus weissgekalkten Wänden und strohgedeckten Dächern, deren Wurzeln unverkennbar Richtung Holland weisen.
Eine äusserst friedliche, zutiefst europäisch anmutende Landschaft und eine der, zumindest auf den ersten Blick, weissesten und reichsten Ecken Südafrikas. Bei näherer Betrachtung, und die sollte man in Südafrika eigentlich immer in Betracht ziehen, wird jedoch auch hier sehr schnell das grosse Problem des Landes, die Nachwirkung der Apartheid ersichtlich. Diese macht natürlich nicht vor den Toren des Weinlandes und des Western Cape halt.
Mit Ausnahme einiger weniger Schwarzer, die erste zaghafte Erfolge als Kellermeister und Weinbauern feiern, stehen alle Güter unter der Leitung alteingesessener Familien und anerkannter Weinexperten. Nur auf den Feldern arbeitet das Heer der Schwarzen und lebt noch immer in ärmlichsten Verhältnissen am Rande der Ortschaft in den unverändert existierenden Townships. Trotz vieler Bemühungen beiderseits und Propagierung einer vereinten Regenbogen Nation wird es wohl noch lange dauern, bis das noch immer weitgehend getrennte Leben zwischen Weiss und Schwarz aufgehoben ist. Unserer Meinung nach, werden die Fronten immer mehr verhärtet und die Regierung unter Präsident Zuma trägt einen grossen Anteil bei an der zerfahrenen Situation zwischen Weiss und Schwarz.
Doch genug der kritischen Worte. Vor kurzer Zeit hat der neue Präsident Cyril Ramaphosa das Präsidentenamt übernommen und all die Hoffnungen eines besseren Südafrikas haften nun an ihm. Die Zukunft wird es zeigen!

Die Serie der Besuche scheint kein Ende zu nehmen. Wir bekommen ein Mail und darin steht. "Hallo ihr Zwei. Wir haben euch, besser gesagt euer Fahrzeug in den Cederbergen gesehen und da ihr nicht da wart, haben wir eure Homepage Adresse aufgeschrieben, die aussen auf dem Fahrzeug steht. Wir leben in der Nähe von Cape Town und solltet ihr in der Nähe sein, kommt doch auf einen Sprung vorbei."
Zwei Tage später verabreden wir uns mit den Schweizern Carla und Dominik in ihrem Haus in Table View. Sie haben das Haus vor 20 Jahren gekauft und leben seither 4 Monate im Jahr in Südafrika, vermieten Zimmer an Freunde und die restliche Zeit verbringen sie auf dem Campingplatz "Bernerhöhe", zwischen Goldau und Lauerz, der nun ihr Zuhause ist.
Das ist das Schöne auf Reisen. Man lernt immer wieder interessante, neue Leute kennen.

Am nächsten Morgen besorgen wir uns eine Bus-Karte, laden einen kleinen Geldbetrag darauf und mit dieser fahren wir entlang edler Vororte
an die berühmte Victoria und Alfred Waterfront, mit seinen exklusiven Shopping Malls.
Ob Riesenrad, Kajaktouren, Schiffsfahrten, Shopping, Cafés, Märkte, Museen, Comedy, Restaurants oder Boutiquen – an der Waterfront findet man alles was das (Konsum) Herz begehrt. Wir schlendern gemütlich und bei bestem Wetter von einer Seite zur anderen, trinken da einen Cappuccino, dort einen Espresso und überall hat man einen wundervollen Blick auf den Tafelberg.

Am Nachmittag nehmen wir erneut den City-Bus und fahren zur Long Street mit dem Green Market Square. Hier, direkt im Zentrum der Stadt, finden wir den wohl quirligsten Platz der Stadt. Historische Gebäude aus verschiedenen Zeitepochen, Restaurants und zahllose Cafés umschließen einen schönen, bunten Flohmarkt. Händler aus ganz Afrika verkaufen vorrangig Textilien und kunsthandwerkliche Produkte wie Holzschnitzereien, Bilder und Schmuck. Die Einheimischen sind extrem kreativ und machen selbst aus alten Cola-Dosen super coole Mitbringsel. Hin und wieder sieht man auch großartige Musiker, die mitten auf der Straße ihre Instrumente auspacken und so richtig loslegen.
Am Abend fahren wir erneut mit dem Bus zurück auf den Camping und müssen uns erstmals von den Menschenmassen der letzten 12 Stunden erholen.

Wie vor einem Jahr fahren wir erneut in die "Wal-Hauptstadt" Südafrikas, nach Hermanus. Ein schöner Camping liegt ca. 5 km ausserhalb der City, die vornehmlich von reichen, pensionierten Weissen bewohnt wird. Hermanus liegt zwar direkt am Meer, hat aber keine großen Badestrände. Dafür wartet es mit wunderschönen Cliff Path's auf, die sich auf beide Seiten des Ortes erstrecken und bis zu uns an den Camping führen. Diese Planken Pfade schlängelt sich über 7 malerische Kilometer durch mannshohe Büsche, Bänke mit Aussichtspunkten und immer wieder geben sie die Sicht auf die Brandung frei.
Der letzte Abschnitt liegt ziemlich verlassen vor uns. Da fragen wir lieber einen Einheimischen, der soeben mit seinem Auto mit der Aufschrift "Neighbourhood waching", eine sogenannte "Nachbarschaftswache", bei uns anhält. Auf die Sicherheitslage angesprochen meint er: "Spaziert auf keinen Fall diesen einsamen Abschnitt entlang. Erst vor einem Monat wurde ein Touristenpaar am hellichten Tag überfallen und ausgeraubt. Leider häufen sich die Überfälle in letzter Zeit, da sich das Township, die Wohnsiedlung für die schwarze Bevölkerung, explosionsartig ausbreitet und die befindet sich nur ein paar hundert Meter hinter diesem Hügel."
Warnungen sollte man generell immer ernst nehmen.
Somit fragen wir erneut einen ausgewanderten Schweizer, den wir zufällig kennenlernen, nach der Sicherheit in dieser Region. "Ich bin nun seit 48 Jahren hier in Südafrika", meint er, "bis anhin haben Schwarz und Weiss immer mehr oder weniger friedlich zusammengelebt. Doch was sich in den letzten paar Jahren abzeichnet ist besorgniserregend. Die Regierung unter Präsident Zuma hat das Land an den Rand des Ruins hinunter gewirtschaftet. Die Arbeitslosigkeit, sowie die Kriminalität ist in die Höhe geschnellt. Vielerorts herrscht eine Gesetzeslosigkeit und die Polizei ist machtlos. Trotz Stacheldraht, hohen Mauern und Elektrozäune ist bei mir erst kürzlich wieder eingebrochen worden. Die Kluft zwischen Weiss und Schwarz wird zunehmend höher."

Nun reicht es. Wir wandern nicht mehr weiter, sondern nehmen den selben Weg zurück zum Campingplatz.
Wir sind insgesamt schon 7 Monate in Südafrika. Gewiss, es ist nicht ungefährlich in diesem Land. Wurde uns doch beim letzten Aufenthalt das Mountain Bike gestohlen. Doch man muss unterscheiden. Es gibt gefährlichere Gegenden, meist rund um ein Township oder um grosse Städte.
Es gibt aber auch sichere Orte, auf dem Land, in den Bergen oder bei relativ kleinen Schwarzen Ansiedlungen. Mit der Zeit entwickelt man ein sogenanntes "Bauchgefühl" für solche Bereiche, doch es braucht trotz allem immer eine grosse Portion Glück dazu.

Ronnies Sex Shop

Zum ersten Mal seit Wochen knackt das Thermometer erneut die unter 20° Marke. Wir haben den südlichsten Punkt Afrikas erreicht, Struis Bay.
Der Camping direkt am Meer ist weder bewacht noch eingezäunt und trotzdem fühlen wir uns wohl. Da ist es wieder das Bauchgefühl und dieses sagt - OK.
Hier in Struis Bay gibt es traumhafte Strände am windgepeitschten indischen Ozean.
Zwei Tage später fahren wir landeinwärts über den "De Hoop N.P., sowie den "Bontebok" National Park, wo es die fast ausgestorbenen Buntböcke zu sehen gibt.

Der Park ist klein aber hübsch angelegt. Wir bewundern die Fynbos Vegeation und die zahlreichen Schildkröten die quer über den Camping krabbeln.
Auf dem anschliessenden "Game Drive" bekommen wir dann die bunten Böcke zu Gesicht. Es ist eine Antilopenart mit weissen Vorder- wie Hinterläufen, die aussehen, als hätten sie weisse Socken an. Auch einige Kap Zebras zeigen sich und wälzen sich unterhaltsam im Sand. Die Kuhantilopen gucken nur verdutzt in die Welt.

Da wir die Garden Route schon zwei Mal gefahren sind, wechseln wir rüber zur Route 62. Diese verläuft mehr oder weniger parallel zur Garden Route, etwa 100 km landeinwärts und durch eine massive Bergkette getrennt, die nur mittels faszinierender Bergpässe passierbar ist.
Die Route 62 ist gleichzeitig die längste Weinstraße der Welt und verbindet die Weinanbaugebiete von Wellington, Paarl, Tulbagh, Worcester, Robertson und Klein Karoo.

Über das schmucke Städtchen Barrydale fahren wir zu Ronnies Sex Shop. Mitten in der Halbwüste Klein Karoo wollte er vor ein paar Jahren die Erzeugnisse seiner Farm verkaufen und eröffnete einen Laden an der Straße: Ronnies Shop. Seine Kumpels pinselten eines Nachts SEX dazu. Ronnie fand das nicht so witzig, ließ es aber stehen und machte einen Pub daraus. War wohl die Idee seines Lebens, denn kaum einer, der hier nicht auf ein Bier anhält und ein Foto von den über dem Tresen baumelnden BH's schießt.

Und die Serie der Treffen geht weiter

Klappt es wohl dieses Mal?
Wir hatte uns schon in Zimbabwe und in Namibia verabredet und immer kam kurzfristig etwas dazwischen. Wir sprechen hier von der Konkordiahütten Familie, Sarah und Christoph, mit ihren drei Kindern Levi, Mena und Simon.
Ende September bis Mitte März schliessen sie ihre Berghütte auf über 2800 Meter, sie ist übrigens die grösste Hütte des Schweizerischen Alpenclubs und begeben sich mit der ganzen Familie auf Wanderschaft. Ihre Insel im Eismeer tauschen sie dann jeweils mit einem Landrover mit Dachzelt. (siehe Fotos)
Wir haben vereinbart, dass wir uns auf dem Camping der Cango Höhlen treffen wollen. In der Vergangenheit kam immer etwas dazwischen, doch dieses Mal......"ja, da sind sie".
Ihr Landy steht im Schatten des Baumes und die Kinder tollen umher. Afrika ist für die Kinder ein riesiger Spielplatz, auf dem es immer was zu entdecken gibt.
Hier erfahren wir allerlei interessantes über den Hüttenalltag von einer der spektakulärsten Gebirgshütten hoch oberhalb des Aletschgletschers.
Zwei Tage später trennen sich unsere Wege. Sarah, Christoph und die Kinder fahren zurück nach Kapstadt, von wo sie ihr Gefährt zurück in die Schweiz verschiffen werden und wir fahren Richtung Paavianskloof, in die Schlucht der Affen.

Für uns ist diese Piste, die durch teilweise unberührte südafrikanische Wildnis führt, eine der spektakulärsten und schönsten Strecken. Das grosse Naturschutzgebiet umfasst drei Gebirgsketten und mehrere Flüsse, die sich nach einem kleinen Regen urplötzlich in reissende Flüsse verwandeln können.
Hier gibt es mehrere, idyllisch gelegene Campingplätze. Ein Eldorado für Campingfreaks. Schon in der zweiten Nacht fängt es an zu regnen, nicht all zu heftig, doch es reicht, um die kleinen Bäche bedrohlich anschwellen zu lassen. Mussten wir Tags zuvor in Ermangelung von Brücken noch ohne Probleme kleinere Flussdurchfahrten machen, geht heute durch die mit Sedimenten gefüllten Flüssen ohne Allrad und Untersetzung gar nichts mehr. Neben unserer Piste brodelt der schäumende Fluss, der gestern noch ein Rinnsal war. Ob das wohl gut geht?
Immer wieder schlängelt sich die kurvenreiche Strasse auf einen Pass mit atemberaubender Aussicht, abstrakte Felsformationen und wildromantische Schluchten.
Plötzlich, hinter einer Kurve werden wir von einem uniformierten Parkverwalter angehalten und er meint: "Ihr könnt hier auf keinen Fall weiterfahren. Das Unwetter von letzter Nacht hat weiter vorne die Piste weggespült und mehrere Murenabgänge haben zusätzlich die Strasse über weite Strecken unpassierbar gemacht. In zwei bis drei Tagen ist die Strecke wieder befahrbar."
Wer die Aussage von Afrikanern kennt, weiss, 2 - 3 Tage können schnell 2 - 3 Wochen sein.
Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als die gleiche Strecke bis nach Willomore zurück zu fahren.

Elefanten haben Vortritt

Ausserhalb von Steytlerville, einem kleinen Städtchen auf der R329, machen wir Halt auf einer, wie sich erst später zeigen wird, Angora Ziegen Farm. Liz und Ben bewirtschaften schon in dritter Generation diesen Hof in der Karoo-Region am Ostkap Südafrikas.
Am nächsten Tag zeigen sie uns voller Stolz ihre Herde von über 1000 Tiere. "Hier in dieser kargen Halbwüste gedeihen die Angora Ziegen prächtig. Die Winter sind kalt und die Sommer heiss und trocken. Im Bestreben nach Perfektion haben wir die Qualität der Mohair-Wolle durch hohe Zuchtstandards immer weiter verbessert. Südafrikanisches Mohair ist weltweit führend und eine der feinsten Naturfasern die man beziehen kann."
In der hauseigenen Halle besichtigen wir die verschiedenen Arbeitsgänge nach dem Scheren der Ziegen. Eine langwierige und langweilige Arbeit die von Schwarzen in der Region getätigt wird. Liz und Ben sagen uns, es ist ein soziales Arbeitsprogramm, das sie für die hiesigen Bewohner realisiert haben.
Im folgenden habe ich die Arbeitsschritte aufgezeichnet, so wie Ben sie mir erklärt hat:

K L A S S I F I Z I E R U N G
Das gewonnene Mohair wird in verschiedene Faserlängen und Durchmessern, sowie Qualitäts-Typen sortiert. Durch diese sehr
genaue Klassifizierung gewinnt das Mohair an Wertigkeit.

R E I N I G U N G
Beim Waschen des Mohairs werden Schmutz und Fette entfernt

K A R D I E R E N
Die meisten pflanzlichen Substanzen sind nun entfernt und die Mohair-Fasern werden in einheitliche Längen sortiert. Auf diese
Weise entsteht ein “kardiertes Faserband”.

K Ä M M E N
Die restlichen pflanzlichen Substanzen und kürzere, ungleiche
Fasern werden vom kardierten Faserband entfernt. Als Ergebnis
erhält man nun ein weiches und luxuriöses Mohair-“Vlies”.

S P I N N E N
Das Mohair-“Vlies” wird nun zu Garn versponnen, spezifiziert nach Struktur, Fadenstärke und Oberfläche. Mohair-Garn ist sehr häufig
gezwirnt oder gebürstet um so ein flauschiges Erscheinungsbild zu erhalten.

L E B E N S D A U E R
Aufgrund seiner Geschmeidigkeit gehört Mohair weltweit zu den Naturfasern mit der längsten Lebensdauer.

Liz und Ben sind durch und durch stolze Angora Farmer und haben in den anmutig anzuschauenden Ziegen ihre Berufung gefunden. Vielen Dank für alles.

Am späteren Nachmittag erreichen wir den Addo National Park. Dieser wurde 1931 eingerichtet, um die letzten elf Kapelefanten vor der Ausrottung zu schützen. Auch die Kapbüffel konnten so gerettet werden. Die bereits ausgerotteten Spitzmaulnashörner wurden 1961 mit sieben Tieren aus Kenia wieder angesiedelt. Mittlerweile sind im Addo Elephant National Park weit über 400 Elefanten heimisch. Wir fahren durch eine flach abfallende Hügellandschaft mit teils undurchdringlichem Dorngestrüpp. Vor den wenigen Wasserlöchern sammeln sich die Dickhäuter, von wo aus wir wunderbar das Imponiergehabe der Elefanten-Bullen beobachten können, sowie die kleinen Babys, die noch tollpatschig ihrer Mutter hinterherlaufen und das kühle Nass mit Ihren Rüsseln um sich sprühen.
Doch manchmal kann einem die Wichtigtuerei ziemlich gefährlich werden.
Nach einer Kurve stauen sich etwa 7 Fahrzeuge. Wir bremsen und kurz darauf setzt die ganze Kolonne rückwärts. Erst jetzt sehen wir den Grund hierfür. Ein riesiger Elefantenbulle, wie wir ihn noch nie gesehen haben, kommt uns mitten auf der Strasse wild schnaubend und mit schwingenden Ohren entgegen. An ein Vorbeikommen ist nicht zu denken. Mindestens einen Kilometer fährt die ganze Kolonne rückwärts, bis die ersten kleinen Fahrzeuge wenden können. Für uns ist die Piste zu eng, die restlichen Autos überholen uns und bald sind wir das Erste Fahrzeug vor dem gigantischen Bullen, der immer noch mitten auf der Strasse uns entgegen läuft.
So kann es nicht weitergehen. Bei einer kleinen Ausbuchtung fahren wir rückwärts rein und harren der Dinge die da kommen. Es ist still im Suri geworden, sehr still. Wir erinnern uns an ein kürzlich gesehenes Video aus dem Krüger National Park. Da hat ein Elefanten Bulle kurzerhand einen Kleinwagen mit dem Rüssel gepackt und ihn durch die Luft geschleudert. Anschliessen bohrte er sein Stosszähne in die Seite des Autos. Die Insassen wurden dabei schwer verletzt. Ein anderes Video zeigte einen Elefanten, der sich einfach auf die Motorhaube gesetzt hat und diese natürlich total eingedrückt hat.
Und nun stehen wir da und warten auf den Bullen. Plötzlich schnaubt es geräuschvoll neben dem Seitenfenster. Das Koloss bleibt stehen und schaut ein paar Zentimeter hinter der Scheibe in unseren Wagen. Wir vergessen zu atmen und unsere Gesichtsfarbe verändert sich zu einem blassen Weiss.
Wir vermuten, die Grösse des Suris verleitete ihm einen gewissen Grad an Respekt, denn er entscheidet sich weiter zu stampfen, bis er ausser Sichtweite ist.
Es ist noch mal gut gegangen, doch diese Situation möchten wir nicht noch einmal erleben.
Ein interessanter und aufregender Tag neigt sich dem Ende entgegen.

Tsitsikamma National Park

Der Tsitsikamma National Park ist ein relativ kleiner, aber wunderschöner Nationalpark an der Grenze der Provinzen Western Cape und Eastern Cape. Geprägt von den warmen Strömungen des Indischen Ozean und den ganzjährig angenehmen, gleichbleibenden Temperaturen hat sich hier eine nahezu tropische Vegetation entwickelt, die noch in ihrer ursprünglichen, wilden Form erhalten ist.
Hauptattraktion dieses Nationalparks ist der kurze Abstecher zum Storms River Mouth mit seiner Hängebrücke und die etwas längere Wanderung zum Wasserfall, die wir sogleich in Angriff nehmen. Wir stellen unseren Suri direkt am Meer ab und folgen der Ausschilderung. Zunächst geht es am Campingplatz vorbei, dann über ein paar Felsen und ab hier führt ein schmaler, aber gut ausgebauter Weg durch dichte Vegetation entlang der Küste. Es geht immer wieder einige Stufen auf und ab, manchmal über grosse Steine und dabei kann man sich an den schönen Ausblicken auf die tosende Brandung und das weiss-schäumende Meer erfreuen.
Bei einem Gezeiten Pool machen wir halt und stürzen uns sogleich in die glasklaren Fluten. Eine Wohltat.
Zurück auf dem Campingplatz kommen unsere Nachbarn mit einer Flasche Wein und ein paar leckeren Würsten zu uns rüber. "Als ihr auf der Wanderung gewesen seit, haben wir eure Homepage studiert," sagen sie voller Bewunderung, "das ist ein Traum, was ihr so alles erlebt habt.
Wir haben ein Orangen- und Zitronen Farm in der Nähe des Addo National Parks. Wenn ihr in der Nähe seit, kommt uns doch bitte besuchen, wir würden uns freuen."
Begegnungen wie diese haben wir viele in Südafrika. Der Suri mit seiner Weltkarte und dem Hinweis auf die Homepage öffnet vielmals Tür und Tor. Ob wir sie besuchen werden wissen wir noch nicht. Es würde aber bestimmt sehr interessant werden.

Nach zwei Tagen verlassen wir diese Natur Idylle und fahren nach Brenton on Sea. Wie letztes Jahr werden wir auch dieses Jahr die nächsten 10 Tage im Bungalow von Sabine und Stephan Jaggy verbringen. Als Dank für die Führung der Photo Galerie können wir dieses Traum-Häuschen oberhalb des wilden Küstenabschnittes bewohnen.
Auf diese Unterbrechung des Reisens haben wir uns schon lange gefreut. Es tut einfach gut, den Reisealltag zu unterbrechen und zu wissen, dass man für einige Zeit keinen Campingplatz mehr suchen muss.
Von hier aus besuchen wir alte Freunde in Knysna und laden Kollegen zu uns ein.
Ein spezielles Erlebnis haben wir, als wir gemütlich bei den "Knysna Heads", der Hafeneinfahrt in die Knysna Lagune, die von zwei Sandsteinklippen gesäumt ist, ein Café trinken und dabei von hinten angetippt werden. "Hallo Ruth und Walter", sagt eine uns bekannte Stimme, "was macht den ihr hier?"
Ein paar Sekunden sind wir sprachlos. Hier stehen doch tatsächlich Ursula und Heinz aus Stans vor uns, aus dem Ort, von dem wir stammen. Was für eine Überraschung! Sogleich laden wir sie zu uns nach Brenton on Sea ein und plaudern angeregt bis am Abend. Anschliessen müssen sie weiter nach Mossel Bay, wo sie ihre Unterkunft reserviert haben. Die 2 Wochen Tour durch das südliche Südafrika sind schnell vorbei.

Auch bei uns neigt sich die Auszeit vom Reisen dem Ende entgegen. Wir haben vereinbart, dass wir ein weiteres Mal in Prince Albert die Foto Galerie der Jaggys führen werden, doch nur für eine Woche.
Wie das letzte Mal vor einem Jahr stehe ich nun jeden Tag in der Galerie und versuche die hübschen Bilder an den Mann, beziehungsweise an die Frau zu bringen.
Ruth bringt in der Zwischenzeit das Privathaus der Jaggys auf Vordermann, schwimmt ihre Runden im hauseigenen Pool und pünktlich um 11 Uhr kommt sie zu mir in die Galerie und wir trinken einen Nespresso zusammen. Ein Ritual, das sich vor einem Jahr eingebürgert und sich als nette Abwechslung für beide Seiten erwiesen hat.

Viel zu schnell geht die tolle Zeit in Prince Alber dem Ende entgegen und wir brechen zu neuen Ufern auf.

Auf der Suche nach den "Big Five"

Entlang der nördlichen Ausläufern der Drakensberge, den Alpen Afrikas, fahren wir Richtung Blyde Canyon. Dieser ist ein 26 Kilometer langer, bis 800 Meter tiefer und hauptsächlich aus rotem Sandstein bestehender Canyon. Er befindet sich an der Panorama Route nordöstlich von Johannesburg und gilt als eines der großen Naturwunder Afrikas.
Zwei Tage ruckeln wir in unserem Geländewagen durch diese einzigartige Landschaft bevor es zum nördlichen Eingang des Krüger National Parks geht. Erst noch hat es geregnet. Eine fahle Sonne schiebt sich langsam über die Buschsavanne, vorbei an prächtigen Affenbrotbäumen, deren runzlige Rinde der Elefantenhaut in nichts nahe steht. Zum zweiten Mal sind wir jetzt im Krüger Park.
Schon auf den ersten Kilometern hören wir ein lautes Knacken im Busch. Ich halte an und stelle den Motor ab. Neben der Piste ein Elefant, die riesigen Ohren gespreizt, den Kopf gesenkt. "Jumbo watching you". Die graue Masse setzt sich gefährlich schnell in unsere Richtung. Ich gebe doch besser Gas, denn wir sind hier nicht im Zoo!
Der Krüger mit seinen 19'000 Quadratkilometer Ausdehnung, etwa halb so gross wie die Schweiz, gehört zu den grössten National Parks Afrikas und gewiss zu den grossartigsten des schwarzen Kontinents.
Die nächsten 6 Tage durchstreifen wir diesen äusserst tierreichen Park von Nord nach Süd. Übernachten jeweils in Buschcamps oder auf grösseren Campingplätzen. Jeden Tag klingelt der Wecker schon um 5 Uhr, schliesslich sind die Tiere Frühaufsteher und mit ihnen die Horden von Touristen, die ebenfalls zum morgendlichen "Game drive" starten.
Jeder Tag ist anders. Streift man oft stundenlang durch einsames Buschland, überquert plötzlich eine Geparden Familie die Strasse, liegt gähnend ein Löwen Männchen am Strassenrand oder streifen Hyänen auf der Suche nach einer schnellen Beute durch das hüfthohe Gras.

Überall heisst es - Aussteigen strengstens verboten! Doch was ist da vor uns? Zwei Schwarze Wildhüter im Tarnanzug und bis an die Zähne bewaffnet spazieren gemütlich auf der Sandpiste mitten im Krüger Park, da, wo es nur so von Raubkatzen wimmelt.

Wir stoppen neben ihnen und fragen, was sie hier machen und ob das nicht gefährlich sei?
"Wir kämpfen um die Erhaltung einer Art", sagt einer der Wildhüter, "wir befinden uns im Krieg. Seit Jahren führen wir eine Abwehrschlacht gegen die Nashorn Jäger. Diese suchen mit Drohnen das riesige, unübersichtliche Terrain des Krüger Parks ab, auf dem Schätzungen zufolge jeden Tag im Schnitt 15 Wilderergruppen auf die Jagd gehen. 80% der Wilderer stammen aus Mosambik, aus der unterentwickelten Grenzregion jenseits des Elefantenflusses. Die Beutezüge sind ihre wichtigsten Einnahmequelle und garantieren hohe Profite. Auf dem Schwarzmarkt werden bis zu 80'000 US-Dollar für ein Kilo Nashorn gezahlt, damit ist es teurer als Gold oder Heroin.
Das liegt vor allem an der explodierenden Nachfrage in Fernost, insbesonders in Vietnam und China. Besonders beliebt ist neben Elfenbein, Bärengalle oder Tigerknochenpaste das Nashorn-Mehl. Es gilt in diesen Kreisen als Wundermittel, das Fieber senkt, Schmerzen lindert, Krebs heilt und vor allem Potenzsteigernd wirken soll. Ein absurder Aberglaube, denn das Horn besteht wie menschliche Fingernägel oder Haare hauptsächlich aus Keratin, einer Substanz, die keinerlei medizinische Wirkung hat.
Doch viele Asiaten halten unerschütterlich an diesem seit 2000 Jahren überlieferten Irrglauben fest. Das ist auch ein Grund, warum es in ihrem Land keine Java-Nashörner mehr gibt. Seither richten sich alle Begehrlichkeiten auf Tiere afrikanischer Herkunft. Hier, in der Savanne Südafrikas, wo knapp 21'000 der weltweit noch 28'500 Nashörner leben, wurden alleine im vergangenen Jahr 1215 Tiere von Wilderern abgeschossen oder verstümmelt. Das bedeutet, alle sieben Stunden gibt es ein Nashorn weniger auf der Welt. Naturschützer befürchten, dass sie bald ausgerottet sein könnten, wenn die kriminellen Treibjagd im derzeitigen Tempo weitergeht."

Die Aussage des Ranchers macht uns tief betroffen. Wie können Menschen nur so grausam sein.

Immer wieder tauchen Impalas am Strassenrand auf, dann die grazilen Giraffen, die in aller Ruhe die Blätter von den Bäumen fressen. Das ganz grosse Highlight taucht dann am Wasserloch auf. Hier fühlen wir uns so richtig "Out of Africa". Eine ganze Elefantenfamilie vergnügt sich im Wasser. In sicherer Entfernung tummeln sich Warzenschweine, Giraffen und Zebras. Eine Safari dieser Art ist ein ständiges auf und ab. Es herrscht eine Euphorie im Suri wenn wir die Tiere entdecken, dann wieder verstärktes Adrenalin in brenzligen Situationen speziell mit Elefanten und Büffel, eine gespannte Aufregung was einem wohl hinter der nächsten Kurve erwartet, bis hin zu Ungeduld und Langeweile, wenn wir oft stundenlang im fast Tierlosen Gebiet umhergefahren sind.

Nach sechs wunderschönen Tagen im Krüger National Park können wir uns nur schweren Herzens von dieser fantastischen Landschaft mit ihrem gewaltigen Tierreichtum verabschieden.

Was haben wir nicht alles gesehen!

-Hyänen, die am abendlichen Campingfeuer bis auf wenige cm an unseren Zaun kamen.
-tolpatschige Elefantenbabys, die sich hinter ihren Müttern versteckten.
-Flusspferde mit Jungen, wie sie mühsam aus dem Olifant River stiegen.
-Büffel, die ein wohltuendes Schlammbad in einer Senke nahmen und mitten drin.......ein Nashorn.
-faule Löwen unter Büschen
-Cheetas auf Streifzügen
-Herden von Nashörnern
-Adler, Eulen und jede Menge Vögel
-und, und, und....

Zahnarztbesuch und ein erneuter Überfall tierischer Natur

Seit geraumer Zeit plagen mich Zahnschmerzen. Nur Schmerzmittel zu nehmen ist auch keine Lösung und so suchten wir uns einen Zahnarzt, noch bevor wir den Krüger erreicht haben. Er meinte: " So wie es aussieht, ist der Nerv unter der Zahnkrone entzündet. Da gibt es nur eins, entweder muss der Zahn raus, oder die Krone muss entfernt werden, der Nerv behandelt und anschliessend eine neue Krone angefertigt werden. Dies dauert aber mehrere Wochen."
Seit dieser Zeit, das ist mittlerweile 2 Wochen her, nehme ich schmerzlindernde Mittel, sowie Antibiotika, um die Entzündung zu bekämpfen.

Nun sind wir bei unseren Freunden Jane und Piet in Durban angekommen, da, wo wir vor 2 Jahren auch schon waren. Mit ihnen gehe ich zu ihrem Haus Zahnarzt und er schaut sich das Ganze mal an. Auch er bestätigt die Diagnose des früheren Zahnarztes, die Krone muss raus und der Nerv abgetötet werden.
Bis zum ersten Termin in 4 Tagen können wir bei Jane und Piet bleiben, feuern ihren Sohn Mathias beim Durban Marathon an, besuchen Freunde und kochen ihr Leibgericht, Rösti mit Züri-Geschnetzeltem. In dieser Zeit bekommt unser treuer Gefährte einen Rundumservice, den er auch dringend brauchen wird, für die miserablen Strassen, die uns demnächst in Mocambique erwarten werden.
Zwischen den drei Zahnarztterminen verbringen wir ein paar Tage in den Drakensbergen. Wir lieben dieses Gebiet rund um den "Giant's Castle" National Park.
Auf Anraten von Piet verbringen wir die ersten paar Tage im Inijsuthi Camp auf angenehmen 1700 Meter. Da es die letzten drei Tage viel geregnet hat, ist die Piste dahin eine einzige Katastrophe. Dafür entschädigt das Camp für die Müh dahin mit gepflegten, grossen Rasenplätzen.
Am nächsten Tag begeben wir uns sogleich auf eine Wanderung durch die fast unberührte Natur. Bizarre Sandsteinfelsen und die über 3000 Meter hohen Gebirgszüge bilden hier die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho. Ein Paradies für Naturfreaks und......Affen!
Am späten Nachmittag kommen wir müde und ausgelaugt zurück von unserer Wanderung. Wir freuen uns auf einen Café und die Füsse hochzulegen. Kurz vor dem Camp läuft uns noch eine Horde Paviane über den Weg.
"Was ist den das?", sag ich erschrocken zu Ruth und zeige zum Dachfenster hoch. "Das kleine Alkoven Fenster hängt ja total schief und ist komplett aus den Angeln gedrückt worden. Doch nicht schon wieder ein Einbruch"?
Wir öffnen die Türe zur Wohnmobil Kabine und sind erstmals geschockt. Überall liegen Reste von Bananenschalen, Nüsse, angefressene Orangen und Äpfel und dies überall verstreut.
Eine ganze Affenbande muss auf das Dach gesprungen sein, von oben das nur leicht geöffnete Fenster aufgebrochen haben, das gezogene Moskitogitter aufgedrückt und sich ins Innere gequetscht haben. Der Duft verlockender Bananen war anscheinend stärker als die Gefahr entdeckt und verjagt zu werden.
Nun versuche ich das Fenster zu reparieren, während sich Ruth dem Chaos im Innern zuwendet. Wahrscheinlich war es die selbe Affenbande, die uns kurz vor dem Camping über den Weg gelaufen ist. Wenn man sich vorstellt, wie die Paviane genüsslich mit einer Banane auf unseren Betten und Tischen sassen, fühlen wir uns gar nicht mehr wohl in unserem Suri.
Bevor wir zurück nach Durban fahren verbringen wir noch ein paar Tage im "Highmoor" Camp auf 1980 Meter. Dies ist ein Platz wie wir in lieben. Gute Wandermöglichkeiten, tolle Aussicht vom Stellplatz aus auf die umliegenden Berge und eine Ruhe die Ihresgleichen sucht. Definitiv einer unserer Lieblingsplätzen.

Zurück in Durban wird mir eine provisorische Krone verpasst, leider nicht auf dem Kopf, nur im Zahn, bevor es Richtung Norden geht. Wir wollen noch ein paar National Parks in Kwa Zulu Natal besuchen, die uns vor zwei Jahren so gut gefallen haben. Doch anschliessend geht es definitiv nach Mozambique.
3 mal 3 Monate, also insgesamt 9 Monate verbrachten wir in Südafrika, einem Land, dessen Kontraste wohl einzigartig sind. Sei es das Schwarz / Weiss Gefälle, die einzigartige Natur oder der gute Wein. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Natürlich, es gibt tausend Gründe, warum man nicht einfach die Koffer packen soll um Südafrika zu bereisen. Die Sicherheit, die Blumen auf der Veranda, die Arbeit, der Stromableser....
Man sollte einfach nicht zu Ängstlich sein, zu sehr auf Sicherheit bedacht. Etwas mehr Flexibilität, Lebendigkeit, Mut und Spontanität würde vielen von uns gut tun. Das Leben ist kein Hochsicherheitstrakt, es braucht keinen bis ins Detail ausgearbeiteten Plan, um auf jede Eventualität vorbereitete zu sein. Es braucht ein wenig Wille, der Wille es zu tun.

Willkommen im Abenteuer. Willkommen im Leben.








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